Kontrolle ORC Messbrief

Wie man ein ORC Zertifikat überprüft und was man gegebenfalls ändern lassen könnte

Beim Kornati Cup wird in allen Klassen – außer den Einheitsklassen – nach ORC Club Performance Curve gesegelt. Dadurch gehen sowohl die Windstärke als auch das unterschiedliche Leistungspotenzial bei unterschiedlichen Windbedingungen in die Berechnung ein. Voluminöse, eher untertakelte Yachten haben dadurch auch bei Leichtwind bessere Chancen.

Was das Zertifikat betrifft, ist Vertrauen gut, Kontrolle besser

Es könnte beispielsweise sein, dass dieser nicht aus 2022 stammt und damit ungültig ist. Oder dass der Eigner Ihrer Charteryacht normalerweise mit hochwertigem Segelmaterial – Kevlar oder Mylar bzw. größeren Spinnakern – Regatten segelt und den Messbrief darauf abgestimmt hat. Das sind nur zwei Beispiele, wodurch Ihre Chancen durch einen niedrigeren Rennwert, als er Ihrer Yacht eigentlich zusteht, im Vorhinein geschmälert werden.

Warum ist die Überprüfung des Zertifikats wichtig?

Stimmt das Zertifikat nicht, so setzt man sich mit seinem Vercharterer in Verbindung. Unter Umständen, kann man die Segel laut Messbrief dazumieten, ansonsten sollte man vereinbaren wer für die Kosten der Änderung im ORC Messbrief aufkommt.  Will man Korrekturen durchführen lassen, so meldet man das ehestens (am besten zwei Wochen vor der Regatta beim Vercharterer), spätestens aber vor Beginn der Wettfahrten, beim ORC Rating Office bzw. Wettfahrtleiter Gert Schmidleitner. Die Kosten für eine Neuausstellung betragen € 90,–, hinzu kommen etwaige Kosten für den Vermesser (€ 25, – pro Segel)

Wer ist für die Richtigkeit des Messbriefes verantwortlich?

Beachten Sie, dass ein ORC-Club-Messbrief weitgehend auf Eigenvermessung basiert, jeder Skipper ist für die Richtigkeit verantwortlich, egal, ob er die Werte selbst erfasst hat oder nicht. Daher ist es für jeden Skipper wichtig, sich früh genug um seinen Messbrief zu kümmern und diesen auch zu kontrollieren. Wird kurzfristig ein Segel getauscht so ist das zu melden und der Messbrief anzupassen.

Wie können die Maße selbst überprüft werden?

Stimmt der Rennwert nicht, kann dies zur Disqualifikation führen. Daher: kontrollieren Sie selbst (langes Maßband!). Die angegebenen Maße können Sie ganz einfach überprüfen (beachten Sie die an Mast und Baum angebrachten Messmarken).

 

Messbriefart:

Ist der Messbrief für eine Konfiguration mit Beisegel (Spinnaker / Gennaker) oder ohne Beisegel erstellt

 

Vorsegel:

LPG: Vom Vorliek (im rechten Winkel) bis zum Schothorn

(exakt: Kreuzungspunkt Achter- und Unterliek)

 

Großsegel:

P: Vorliekslänge (Maßband hochziehen)

E: Unterliekslänge

 

Spinnaker:

SL: Seitenliekslänge

SF: Unterliekslänge

SPL: Länge Spibaum

Tipp zum Spi: Stimmt die Seitenliekslänge, ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass beim Spi alles okay ist.

Beispiel eines Messbriefes

Hier der (kroatische) Messbrief einer Bavaria Cruiser 41S als Muster und die Erklärung der wichtigsten Elemente. ORC-Messbriefe sind in der jeweiligen Landessprache verfasst, aber ansonsten identisch.

 

1 Normal oder „Non Spinnaker“. Normalerweise sind die Messbriefe für Boote mit Spinnaker erstellt. Segeln Sie in der Klasse ohne, dann muss auch der Messbrief ohne Spi sein, denn sonst geht er ins Rating ein und Sie haben keine Chance.

2 Name des Bootes. Überprüfen!

3 Jahrzahl. Der Messbrief gilt immer nur für ein Kalenderjahr; falls abgelaufen: ungültig.

4 APH und GPH. Allgemeine Rennwerte, je niedriger, desto schneller ist die Yacht; ermöglicht einen ungefähren Vergleich zwischen den Yachten. Diese Werte werden aber nicht für die Berechnung der Zeit herangezogen und helfen nur sehr bedingt weiter.

5 Großsegelbreiten. Distanzen Vorliek–Achterliek, gemessen vom geviertelten Achterliek aus, im rechten Winkel zum Vorliek; die Kennzahlen betreffen die Achterlieksrundung.

6 Segelqualität. Einschränkungen möglich, hier würde stehen, wenn nur Dacron-Segel zulässig sind.

7 Segelzahl. Gibt die Zahl der Segel an, die während einer Regattaserie maximal mitgeführt werden dürfen. Hier: 6 Genua, 4 Spis.

8 Spinnaker. Die Fläche des größten Spinnakers.

9 Takelung.

P. Vorgeschriebener Ansatzpunkt von Vorstag und Spinnaker; wären Toppspinnaker erlaubt, würde man dies hier erkennen.

I Jib. Gibt an, in welcher Höhe – über einem bestimmten Punkt in Höhe der Fußreling – das Vorstag austritt.

I Spin. Höhe Austritt Spifall über Mastfuß.

10 SL. Länge Seitenliek Spinnaker; etwas größer als I Spin. Ist der Wert deutlich größer, liegt entweder ein Messfehler vor oder es wird ein sehr großer Spinnaker eingesetzt (der den Rennwert verringert).

11 HLP. Wichtige Vorsegelgröße, entscheidend für eine allfällige Überlappung über den Mast nach achtern hinaus. Manche Vorsegel moderner Yachten überlappen nur wenig, man spricht beispielsweise von einer 110-%-Genua (10 % größer als J = Abstand zw. Vorstag und Mast).

12 Maximales Crewgewicht. Darf nicht überschritten werden. Änderungen im Crewgewicht wirken sich im Rating nur sehr wenig aus. Das minimale Crewgewicht findet keine Anwendung.

13 Tiefgang. Weicht im Messbrief wegen differierender Bootsgewichte (Ausrüstungsunterschiede!) oft von der Werft-Angabe ab.

14 Geschwindigkeiten. Hier sind die Geschwindigkeiten in Abhängigkeit von Windstärke und Kurs, die man im Idealfall erreichen sollte, im Normalfall aber nie erreicht…

Wie werden die Rennwerte beim Kornati Cup bei allen Booten der Klasse ORC ermittelt?

Beim Kornati Cup werden bei allen Booten der Klasse ORC (mit und ohne Spi) die Rennwerte nach Performance Curve angewandt. Verwendet werden die Selected Courses (Seite zwei des Zertifikats) „Windward / Leeward“ für die Bojenkurse bzw. „Coastal / Long Distance“ für die Navigationskurse. Die Windstärke wird dabei vom Auswertungsprogramm aufgrund der gesegelten Zeiten und der Streckenlänge ermittelt und nicht vom Wettfahrtkomitee bestimmt.

 

Bis bald am Kornati Cup!

Gert Schmidleitner

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