SPINNAKER, GENNAKER UND CODE ZERO

Wenn Sie vor dem Wind segeln, ist das komplett etwas anderes, als auf einem Am‐Wind‐Kurs zu segeln. In dem Moment, wenn Sie den Kurs ändern und abfallen, ist das wie bei einem Spielfilm auf die Stopp‐Taste zu drücken und einen ganz neuen Film zu starten. So beschreibt Tihana Tadinac, Key Account Manager bei BAVARIA YACHTS und erfahrene Regattaseglerin den Moment, wenn sie nach einer langen Kreuz am Wind abfallen und die Schoten von Großsegel und Genua öffnen kann. Aber welches Segel ist dann statt der Genua oder Fock das richtige Vorsegel für das Segeln mit dem Wind auf See? Tihana erklärt die Unterschiede zwischen Spinnaker, Gennaker und Code Zero Segel.

Vor dem Wind mit dem Spinnaker

Wenn Ihre Segelyacht mit einem Spinnaker und allem Zubehör, das man zum Spi‐Segeln braucht, ausgerüstet ist, haben Sie das beste Segel, um direkt vor dem Wind segeln zu können. Denn mit einem Spinnaker können Sie ohne Probleme mit einem Windeinfall von 180 Grad fahren. So also, dass der Segelwind direkt vom Heck weht. Bedenken sollten Sie aber, wenn die Brise direkt von achtern kommt, heben sich Fahrtwind‐ und Bootsgeschwindigkeit auf. Wenn es mit 10 Knoten wahrer Windgeschwindigkeit weht und Ihre Segelyacht eine Fahrt von 4 Knoten durch das Wasser macht, dann ist der wahre Segelwind über Deck nur 6 Knoten stark. Wenn Sie dann unter Spi etwas höher an den Segelwind auf 160 Grad gehen, verändern sich die Windvektoren. Wind‐ und Bootsgeschwindigkeit heben sich weniger stark auf. Der scheinbare Wind wird mehr. Das Schiff oder die Jolle segelt schneller. Generell liegt der perfekte Windwinkel für einen Spinnaker zwischen 130 und 180 Grad Windeinfall. 

Volle Fahrt mit dem Gennaker

Auf Raumschotskursen ist der Gennaker, das perfekte Segel. Weil Gennaker aus dem gleichen Segeltuch wie ein Spi genäht werden, werden sie oft auch als asymmetrische Spinnaker bezeichnet, was per Definition nicht ganz stimmt. Ein Gennaker hat seinen ganz eigenen Charakter. Er entwickelt seine Kraft am besten, wenn der Segelwind zwischen 100 bis 165 Grad von achtern weht. Liegt das Ziel aber doch direkt vor dem Wind, müssen Sie zwar mit dem Gennaker öfter halsen als mit einem Spinnaker, durch einen spitzeren Windwinkel segeln Sie jedoch auch schneller, was die länger gefahrene Strecke gegenüber Booten mit Spinnaker mehr als ausgleicht. Mit einem Bergeschlauch ist das Setzen und Bergen eines Gennaker übrigens für jeden Fahrtensegler und Profi mit kleiner Crew sehr einfach und sicher.

Geheimwaffe Code Zero

Wenn Sie zum Ziel nicht hoch am Wind kreuzen müssen, die Amwind‐Segel geschrickt sind und der Windwinkel größer 65 Grad ist, aber noch nicht groß genug für den Gennaker, dann sind das perfekte Bedingungen für den Code Zero. Besonders bei den Kursen mit einem größeren Windwinkel hat der Code Zero mehr Power als die Genua und wird damit zur echten Geheimwaffe. Der Code 0 ist leicht zu handhaben. Geschnitten wie eine große Genua, die im Unterliek oft mehr als Zweidrittel der Schiffslänge misst, ist der Code 0 auf einer mobilen Rollanlage (Furler) mit Anti‐Torsionsleine angeschlagen. Mit einer endlosen Leine auf dem Furler kann der Code 0 leicht ab‐ und aufgerollt werden. Der maximale Windwinkel für einen Code 0 liegt in etwa bei 120 Grad Windeinfall.

Unser Fazit

Die Wahl des Vorsegels auf Halbwind‐Kursen, Raumschots oder Vorwindkurs hängt also vom Kurs ab. Welches Segel Sie dann wirklich wählen, hängt auch ein bisschen von der Erfahrung der Crew, der Anzahl der Personen an Bord und dem Einsatzbereich ab. Für das Cruising Segeln sind der Gennaker und der Code 0 sicher einfacher im Handling. Wer sich als Segler etwas mehr zutraut und mindestens mit drei Personen an Bord ist, wird viel Freude am Spinnaker fahren haben. Jeder Segelmacher und BAVARIA YACHTS Vertriebspartner werden Sie sicher gerne beraten.

© Bavaria Yachts

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